Das Alte trägt nicht mehr, aber das Neue ist noch nicht sichtbar. Genau dieser Zwischenraum kann unglaublich schwer auszuhalten sein. Doch was, wenn wir diesem Raum vertrauen dürfen, weil sich genau darin das Neue erst entfalten kann?
Wenn das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht da ist
Es gibt Zeiten im Leben, in denen wir einfach nicht wissen, wie es weitergeht. Wir stehen zwischen dem, was einmal war, und dem, was noch nicht sichtbar ist. Genau diese Zwischenräume können unglaublich herausfordernd sein. Eine Beziehung ist zu Ende gegangen, du hast deinen Job verloren oder verlassen, eine Lebensphase ist abgeschlossen oder du spürst ganz deutlich, dass dein bisheriger Weg nicht mehr zu dir passt. Das Alte ist vorbei oder fühlt sich nicht mehr richtig an. Aber das Neue ist noch nicht da. Und genau diesen Zwischenraum auszuhalten, kann unglaublich schwer fallen.
Der Kokon
Für mich gibt es ein wunderschönes Bild für genau diese Lebensphasen: der Schmetterling in seinem Kokon.
Die Raupe ist nicht mehr das, was sie einmal war. Doch der Schmetterling ist noch nicht bereit, seine Flügel auszubreiten. Dazwischen liegt eine Zeit, die von außen betrachtet nach Stillstand aussehen kann. Im Inneren jedoch geschieht viel Veränderung. Vielleicht befindest du dich auch gerade in so einem Kokon? Es ist dunkel. Du siehst noch nicht, was aus dir oder deinem Leben entstehen wird. Das Alte kannst du nicht zurückholen und das Neue kannst du noch nicht greifen. Gerade deshalb möchten wir diesen Zustand häufig möglichst schnell verlassen und endlich wieder wissen, wohin unser Weg führt.
Doch genau dieser Kokon kann ein wichtiger Teil unserer Veränderung sein. Manche Dinge können erst entstehen, wenn wir eine Zeit lang nicht wissen, wie es weitergeht. Und wie lange dauert dieser Kokon? Drei Tage, drei Monate oder ein Jahr, dafür gibt es keinen festen Zeitplan. Jeder Wandel hat seine eigene Zeit.
Raum für Wandlung
Wenn etwas wegfällt, entsteht Raum. Doch anstatt diesen Raum eine Zeit lang sein zu lassen, möchten wir ihn häufig möglichst schnell wieder füllen. Mit einer neuen Beziehung. Einer neuen Aufgabe. Einem neuen Plan. Einer Entscheidung. Oder zumindest mit einer Antwort auf die Frage, wie es jetzt weitergeht. Dabei dürfen wir zuerst trauern, fühlen, verarbeiten, still werden und uns selbst neu kennenlernen. Denn nach großen Veränderungen sind wir oftmals nicht mehr dieselben Menschen wie vorher.
Was möchte ich heute überhaupt noch? Was passt noch zu mir? Und wer bin ich, wenn das, worüber ich mich bisher definiert habe, plötzlich nicht mehr da ist?
Dieser vermeintlich leere Raum ist nicht leer: Er ist ein Raum der Wandlung.
Vertraue deinem Kokon
Auch in der Natur geschieht vieles im Verborgenen. Nicht alles, was wächst und sich verändert, ist sofort sichtbar. Genauso müssen wir in unserem Leben nicht immer sofort wissen, was als Nächstes kommt. Wir müssen nicht aus jedem Ende innerhalb kürzester Zeit einen Neubeginn machen. Und wir müssen auch nicht schneller durch unseren Prozess gehen, nur weil die Umgebung bereits wieder Ergebnisse sehen möchte. Vertrauen bedeutet manchmal, im Kokon bleiben zu können, solange wir ihn brauchen. Die Dunkelheit nicht sofort als Zeichen dafür zu sehen, dass etwas falsch läuft, sondern darauf zu vertrauen, dass auch dort etwas entstehen kann. Irgendwann kommt der Moment wo der Kokon zu eng wird und er aufbricht.
Das Neue wird sichtbar und wir können erkennen, dass die Zeit dazwischen kein Stillstand war.
Sie war Verwandlung.
